Mit persönlichen Rückschlägen umgehen: Strategie & Perspektive

Der Rückschlag.

01. Januar 2018: Der Jahresplan steht. Mit großem Optimismus habe ich meine Ziele für das anstehende Jahr formuliert. An erster Stelle steht für mich in diesem Jahr meine sportliche Entwicklung auf eine neue Ebene zu heben. Neben Lauf- und Kraftzielen möchte ich auch einen neuen Bereich für mich erschließen: Schwimmen. Denn bis 2030 will ich fit genug für einen (halben) Triathlon sein. Das Jahr kann also beginnen! Rückschläge? Fehlanzeige!

Doch es kommt anders:
Nur zwei Tage später habe ich mir die Schulter beim Klettern ausgekugelt. Nach dem MRT ist klar, dass Schultergelenkpfanne und Oberarmknochen dabei gebrochen sind, das Labrum abgerissen und somit eine Operation unumgänglich ist. Hinzu kommt, dass ich komplette zwei Monate außer Gefecht gesetzt sein werde.

Abgesehen von der langen Zeit, die ich dadurch krank geschrieben bin und kein Auto mehr fahren kann, beschäftigt mich ein Gedanke:
Verdammt, wie soll ich meine Ziele auf diese Weise erreichen? Sportlich kann ich froh sein, wenn ich in einem Jahr wieder alles normal nutzen kann – von Gewichtheben und intensivem Schwimmtraining mal abgesehen.

Nicht jammern sondern analysieren.

Die gewonnene Zeit ist Fluch und Segen zugleich – 1.000 Fragen schießen mir durch den Kopf. Wie konnte das passieren? Kann ich meine Ziele so noch erreichen? Waren die Ziele du stark definiert oder hätte ich mit Rückschlägen rechnen müssen? Natürlich plant man schwere Rückschläge nicht mit ein.

Unabhängig davon, was einen aus der Bahn wirft, ist es wichtig, nicht den Kopf zu verlieren. Vielleicht ist es möglich sich die Situation zu Nutze zu machen, doch dafür ist (mentaler) Abstand zur Situation nötig. Eine Strategie muss her und dafür fängt man am besten bei sich selbst an.

Ein Rückschlag ist nur ein anderer Ausgangspunkt, der wie die vorherige Zielplanung analysiert werden kann.
Den Status quo habe ich wie folgt analysiert:

  • Was ist konkret passiert?
  • Wie genau ist es passiert?
  • Was sind die Konsequenzen in der kurz-, mittel, und langfristigen Betrachtung?
  • Welche Ziele werden dadurch beeinflusst?
  • Wie könnten die Ziele in der neuen Situation trotzdem erreicht werden?

Das hilft zunächst einmal die Situation zu verstehen. Eine gründliche Analyse ist in jeder Situation wichtig und hilfreich.

Die Perspektive.

Dennoch sind manche Situationen überwältigend. Und insbesondere solche, die man nicht braucht und einen so weit in der Planung zurück werfen, wie man es nicht für möglich gehalten hat. Nichts macht Sinn und irgendetwas anderes zu planen macht keinen Spaß. Das was man nicht kriegt, will man ja am meisten!

Am Ende musste ich mir eingestehen, dass die Analyse zwar hilfreich war, meinen Ausgangspunkt aber nicht ändern konnte. Ich stand jetzt hier mit einer gebrochenen Schulter und hatte eine grobe Vorstellung davon, dass es weiter gehen kann. Trotzdem war ich wütend und das hemmte meinen Tatendrang. Obwohl ich alles ausführlich analysiert hatte, half es mir nicht dabei meine Sichtweise auf die Situation zu ändern.

Um die Perspektive zu ändern, empfehle ich die folgenden drei Strategien:

  1. Finde 50 positive Aspekte an der neuen Situation und schreibe sie auf.
    Sei dankbar für die neue Veränderung, denn nichts anderes ist ein Rückschlag! Ein Satz, der mir persönlich sehr wichtig wurde: “Ich bin dankbar dafür, dass ich etwas mehr Zeit für mich habe”. Wenn dir 50 Punkte auf einmal zu viel erscheinen, verteile es auf mehrere Tage. 5 x 10 Tage ist das Modell, welches ich gewählt habe. So verteilst du die positive Energie auf mehrere Tage und du gewinnst täglich neue positive Punkte hinzu.
  2. Führe jeden Tag ein Gespräch zu deiner Situation mit einer anderen Person und mit mindestens fünf Personen.
    Dabei kann es sich um Freunde oder Angehörige handeln. Oder auch Experten und Betroffene. Wenn du persönlich niemanden kennst, der in der selben Situation steckt wie du, nutze das Internet! Lass dich jedoch nicht von Pessimisten beeinflussen. Es sind nur Meinungen, keine Gesetze. Suche eher nach positiven Erfahrungen. Mir war bei meiner Schulter beispielsweise wichtig zu erfahren, dass es zum einen um eine Routine-Operation handelt und zum anderen, dass keine dauerhafte Einschränkung bleiben wird, die man nicht überwinden kann.
  3. Schreibe dir täglich fünf Dinge auf, die du trotz oder sogar Dank der neuen Situation besonders gut kannst.
    Diese Liste ist von langfristiger Bedeutung, weil sie immer weiter wachsen kann, wenn du sie immer weiter fortführst. Zu Beginn war es für mich besonders ärgerlich, dass ich viel auf Hilfe angewiesen war, beispielsweise beim Schuhe binden. Mittlerweile macht es mir Spaß, sie mit einer Hand zu schnüren und mal im Ernst: Das ist vielleicht keine sehr nützliche, aber immerhin eine sehenswerte neue Fähigkeit!

Nicht stagnieren sondern wachsen.

Es ist wichtig sich eine Sache klar zu machen: Ein bestimmtes Ziel ist nur eine Richtung unter vielen und noch mehr mögliche Wege gibt es dorthin. Ein Rückschlag ist kein endgültiges Abkommen vom Weg. Nicht alles, was schlecht erscheint, ist es auch. Das Große-Ganze wird durch kleine Änderungen vielleicht nicht so sehr beeinflusst, wie man es zunächst annimmt. Rückschläge sind nur eine andere Art der Herausforderung, man wird auf die Probe gestellt. Mit großen Rückschlägen kommen große Möglichkeiten für die persönliche Entwicklung – lerne daraus. Du kannst und wirst stärker aus der Situation hervorgehen, wenn du die Herausforderung annimmst.