Rose

Abschiedsrede für meine Oma

Am 5. August 2025 verstarb meine Oma Tina Ventur. Oma wurde 80 Jahre alt, leider nur 29.473 Tage seit ihrer Geburt am 25. November 1944. Ihre Beisetzung fand in ihrer Wunschruhestätte im Friedwald in Schönebeck am 30. August 2025 statt. Es war mir wichtig ihr Andenken zu ehren und ihrer Familie und ihren Freunden mit meinen Worten eine tröstende Kraft zu sein.


Danke Oma

Wir sind heute zusammengekommen, um Abschied zu nehmen von unserer geliebten Schwester, Tante, Mutter – und für uns Enkel und mich – Oma Tina. Einer besonderen Frau, die mit ihrem Lachen mir viel Geborgenheit gegeben hat.

Es gibt viel Schönes, an das ich mich gerne erinnere. Die langen Sommer, die ich als Kind und Jugendlicher bei ihr verbrachte. Die Zeit in ihrem Garten. Die üppigen Weihnachtspakete. Es sind hunderte kleine Geschichten.

Möchte ich ihre Besonderheit in Worte fassen, so möchte ich mich eines Zitates bedienen, dass sie selbst vor vielen Jahren verwendete:

„Haromonie und Kraft ist nur in unserem Leben, wenn das Äußere ist wie das Innere; wenn diese große Wahrhaftigkeit zwischen unserem tiefsten und reinsten Sehnen und dem Willen im Leben uns innere Einheit gibt.“

Albert Schweitzer

Harmonie und Kraft

Sehnsucht

Der Wille im Leben

Mit diesen Worten Albert Schweitzers als Bild zeigte sie uns was Treue im Leben bedeutet.

Treue ist nicht nur in Beziehungen wichtig, sondern sie ist auch zu uns selbst an erster Stelle zu sehen.

Oma war für mich der Innbegriff dieser Tugend. Sie wertschätzte die großen Dinge, wie ihre wenigen Freunde und ihre Familie, ebenso, wie die kleinsten Dinge.

So zählte sie genau wie viele ihrer Kirschen in einem Glas ihrer Marmelade waren, und sie schrieb dies auch auf jedes einzelne Glas. Sie hegte und pflegte ihren Besitz in so hohem Maße, dass mein letzter Besuch in ihrer Wohnung sich ebenso heimisch anfühlte, wie mein erster. Eines Tages brachte ich ihr frische Johannisbeeren vom Markt mit, und ich werde nie den Ausdruck in ihren Augen und das Strahlen in ihrem Gesicht vergessen, welche sie jeder einzelnen Beere widmete.

Doch war das Sehnen auch eine Last für sie, und nicht selten litt sie unter der Traurigkeit, die das Leben für uns bereit hält.

In meiner frühen Jugend schenkte sie mir ein Buch über Buddhismus:
„Leben ist Leiden“ – so lautet der zentrale Gedanke Buddhas, mit dem er seine Philosophie begründete. Wir lösen uns davon durch Disziplin, die Würdigung der Schönheit und durch Verzicht.

Oma würdigte die Schönheit in Blumen, ihrem Garten, ihrem Kater und ihren beiden wunderbaren Söhnen. Doch fiel es ihr mit dem Älterwerden zunehmend schwerer das Leiden im Leben loszulassen.

Wie oft sagen wir, dass wir einsam sind, bis wir es als Vorwurf formulieren und sagen, dass der andere sich ja eh nicht meldet?

In den letzten Jahren konnte Oma dank Peter diese Traurigkeit hinter sich lassen und erlebte mit ihm kleine Abenteuer und Reisen.

Bei unserem letzten Treffen war sie ausgelassen und lachte viel.

Oma hatte das schönste Lachen.

Und so fand sie durch ihre Treue zu sich selbst endlich die Harmonie und Kraft, die sie sich immer gewünscht hat – nach der sie sich sehnte.

Ich vermisse sie und halte ihr Andenken in Ehren. Möge sie in Frieden ruhen.

Rose
Hochmut
Der Weg